Schilddrüse

4 Formen einer Schilddrüsenfehlfunktion

Geschrieben von Vanessa Sowinski
Aktualisiert am

Jeder Betroffene wird das Gefühl kennen, wenn der Arzt die Diagnose stellt:

Sie haben eine Schilddrüsenfehlfunktion.

Je nach Art der Fehlfunktion treten unterschiedliche Symptome auf, die unterschiedlich behandelt werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schilddrüsenfehlfunktion?

Eine Schilddrüsenfehlfunktion wird genauer in eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Hashimoto oder einen Morbus Basedow unterschieden.

Folgend bekommt man ein entsprechendes Präparat verschrieben, die Dosierung und Einnahme genannt und im besten Fall einen Folgetermin in ein paar Monaten zu einer erneuten Untersuchung.

Nun aber bleiben ganz viele Fragen unbeantwortet, oder auch gar nicht erst gestellt, da man noch überhaupt keine Ahnung hat, was diese Diagnose denn nun überhaupt genau zu bedeuten hat, welche Auswirkungen dahinterstecken und wie man damit umgehen soll. 

Fragen wie:

  • Welche Symptome können aus einer Schilddrüsenfehlfunktion entstehen?
  • Was genau sagt die Diagnose einer Schilddrüsenfehlfunktion überhaupt aus?
  • Wo können die Ursachen für eine Schilddrüsenfehlfunktion liegen?
  • Wie kann eine passende Therapie für eine Schilddrüsenfehlfunktion gestaltet werden?
  • Was für eine Prognose kann ich bei einer Schilddrüsenfehlfunktion erwarten?

Immer mehr Menschen (überwiegend Frauen) sind von der Diagnose Schilddrüsenfehlfunktion betroffen.

Was macht die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ, das unterhalb des Kehlkopfs der Luftröhre liegt. Bei Frauen wiegt es normalerweise nicht mehr als 18 Gramm, bei Männern bis zu 25 Gramm. Ihr Aussehen wird häufig mit dem eines Schmetterlings verglichen.

Als lebenswichtige Hormondrüse ist die Schilddrüse für die reibungslosen Abläufe verschiedenster Funktionen im gesamten Körper verantwortlich. Ihre Aufgabe ist die Produktion und Freisetzung der beiden Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin oder Thyroxin), für deren Produktion die Schilddrüse Jod und Eiweiß benötigt.

Diese Hormone bestimmen entscheidend die Stoffwechsellage des gesamten Körpers. Sie beeinflussen nicht nur zahlreiche Körperfunktionen, wie den Energieverbrauch, die Regulation der Körperwärme, die Aktivität von Nerven, Muskeln, Herz-Kreislauf, Magen und Darm, Wachstum von Haut, Haare und Nägeln, sondern auch das psychische Gleichgewicht und Wohlbefinden, die Sexualität und Fruchtbarkeit und insbesondere bei Kindern die körperliche und geistige Entwicklung.

Durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und die Region des Hypothalamus werden im Gehirn die Produktion und Freisetzung der Schilddrüsenhormone reguliert. Diese beiden Kontrollregionen überwachen den Hormonspiegel im Blut. Sinkt dieser ab, gibt die Hypophyse den Botenstoff TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) ab, der in der Schilddrüse eine verstärkte Hormonfreisetzung bewirkt. Sind genügend Schilddrüsenhormone im Blut, hält die Hypophyse weiteres TSH so lange zurück, bis es wieder benötigt wird.

Da dieses kleine Organ einen so großen Einfluss auf den gesamten Körper und das damit verbundene Wohlbefinden hat, zeigen wir dir zu jeder der folgenden Formen einer Schilddrüsenfehlfunktion in einem separaten Beitrag die Symptome, Diagnose, Ursache, Therapie und Prognose.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Schilddrüsenunterfunktion hat verschiedene Ursachen. Meistens liegen die Gründe der Unterfunktion im Organ selbst. Sie kann von Geburt an zu klein für die Versorgung des Körpers sein oder auch komplett fehlen. Weitaus häufiger wird die Unterfunktion jedoch im Verlauf des Lebens erworben.

Der Verlust oder die Zerstörung von ursprünglich funktionsfähigem Schilddrüsengewebe kann durch verschiedene Auslöser hervorgerufenen werden. Am häufigsten ist die Unterfunktion als Folge einer Hashimoto-Thyreoiditis.

Die Entwicklung der Unterfunktion findet im Erwachsenenalter meist schleichend statt. Die anfänglichen Symptome bleiben meist unbemerkt oder werden als altersbedingt dargestellt. Auch treten die Beschwerden individuell unterschiedlich in der Art, Weise und Ausprägung der Stärke auf.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion werden die Hormone T4 und T3 in zu geringen Mengen gebildet. Der Stoffwechsel ist krankhaft verlangsamt und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab. Meistens ist auch die Psyche durch Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit gekennzeichnet.

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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Die Schilddrüsenüberfunktion wird meistens durch eine Schilddrüsenautonomie oder die Basedowsche Erkrankung ausgelöst, selten aber auch durch eine zu hohe Dosis einer Behandlung mit Schilddrüsenhormonen. Eine angeborene Überfunktion ist sehr selten.


Bei einer Schilddrüsenautonomie werden, unabhängig von den Steuerungsmechanismen der Hirnanhangsdrüse, zu viele Schilddrüsenhormone produziert. Das kann in einem oder mehreren größeren Knoten (Adenome oder heiße Knoten) oder aber diffus in der gesamten Schilddrüse geschehen. Eine einmal bestehende Autonomie heilt in der Regel nicht alleine aus.

Bei einem Morbus Basedow werden durch die Bildung von Antikörpern Abwehrreaktionen gegen körpereigenes Schilddrüsengewebe getätigt, welches zu einer Erhöhung der Hormonproduktion führt.

Somit produziert die Schilddrüse in beiden Fällen zu große Mengen der Hormone T4 und T3, was den Stoffwechsel krankhaft beschleunigt. Dies kennzeichnet dann einen stärkeren Gewichtsverlust, Herzrasen und auch psychische Merkmale wie starke innere Unruhe und Konzentrationsschwäche.

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Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunthyreoiditis)

Die Hashimoto zählt zu den Autoimmunerkrankungen und ist die mit Abstand häufigste Form der Schilddrüsenentzündungen. In den meisten Fällen führt sie zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Hashimoto wird durch das körpereigene Immunsystem hervorgerufen, das aus bisher unbekannter Ursache beginnt, Antikörper gegen die Eiweiße der Schilddrüse zu bilden. Das führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse.

Gelegentlich ist der Zerstörungsvorgang in der Schilddrüse so heftig, dass lokale Schmerzen am Hals zu spüren sind.

Je nach Erkrankungsstadium kann die Schilddrüse vergrößert, verkleinert oder sogar kaum noch erkennbar sein. Dementsprechend ist auch hier die Versorgung der Schilddrüsenhormone gestört.

Durch die schleichende Entzündung entsteht meistens früher oder später eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit den charakteristischen Symptomen. Allerdings gibt es auch akute Entzündungs-Phasen, die mit einer zeitweisen Überfunktion (Hyperthyreose) einhergehen.

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Morbus Basedow (Autoimmunthyreopathie)

Bei der Autoimmunkrankheit Morbus Basedow bildet der Körper Abwehrstoffe gegen die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse. Diese regen die Schilddrüse dann zur vermehrten Hormonproduktion und auch zum Wachstum an. Infolgedessen entwickelt sich dann eine Schilddrüsenüberfunktion und auch eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma).

Die Krankheit breitet sich auf die gesamte Schilddrüse aus und hat auch Auswirkungen auf andere Körperpartien. Es kann außerhalb der Schilddrüse zur Entwicklung einer hormonbedingten Augenhöhlenerkrankung kommen oder zu Schwellungen und Wassereinlagerungen vor dem Schienbein. 

Gebildete TSH-Antikörper können sich auch auf Gewebezellen in den Augenhöhlen auswirken und dort zu einer Entzündungsreaktion mit Gewebeumbau führen. Die Symptome können bei Beginn der Krankheit sehr dezent ausfallen und erst im fortgeschrittenen Stadium zu den typischen Symptomen, wie der Schilddrüsenvergrößerung, beschleunigtem Pulsschlag und Glupschaugen kommen.

Meistens stehen aber schon vorher die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion im Vordergrund.

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Die dargestellten Informationen dienen ausschließlich für den Informationsgebrauch und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und dürfen nicht als Aufforderung einer bestimmten (Nicht-) Behandlung einer Krankheit verstanden werden.

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