Darmgesundheit

Ist Kaffee schädlich für den Darm?

Geschrieben von Vanessa Sowinski
Aktualisiert am

Du trinkst gerne Kaffee und zu einem guten Start in den Tag gehört dieser einfach für dich dazu. Nun hast du dich entschieden deiner Darmflora etwas richtig Gutes zu tun, startest überaus motiviert die Darmkur und musst feststellen, dass während dieser Zeit Kaffee tabu ist.

6 Wochen keinen Kaffee trinken? Das kann eine echte Herausforderung sein! Da stellst du dir verständlicherweise die Frage:

Ist Kaffee schädlich für den Darm?

Während der Darmkur wollen wir einmal ganz bewusst für 6 Wochen auf Kaffee verzichten. Das Ziel der Darmkur ist schließlich, in dieser Zeit einen bestmöglichen Zustand der Darmgesundheit wiederzuerlangen und bestehende Darmprobleme, Lebensmittelunverträglichkeiten oder andere, daraus resultierende Beschwerden, zu eliminieren.

Wir möchten damit nicht sagen, dass Kaffee per se schlecht für die Darmflora ist. Das Thema ist durchaus komplexer und so individuell wie das sogenannte Mikrobiom selbst.
Kaffee kann sich sowohl positiv als auch negativ auf den Darm auswirken.

Daher möchten wir dir im folgenden Artikel einmal die verschiedenen Aspekte von Kaffee in Bezug auf die Darmgesundheit aufzeigen.

Inhaltsverzeichnis

Welche Symptome können durch eine Unverträglichkeit auf Kaffee überhaupt ausgelöst werden?

Sehr oft hängen einige der folgenden Symptome auch direkt mit einer nicht mehr komplett gesunden Darmschleimhaut zusammen. Diese Symptome müssen nicht zwangsläufig direkt nach dem Genuss von Kaffee auftreten. Sie können sich auch erst einige Stunden bis einen Tag später bemerkbar machen. 

Symptome können sein:

  • Reflux
  • Magenverstimmungen
  • Herzrhythmusstörungen/ Herzrasen
  • Blähungen
  • Verstopfungen
  • unreine, fahle Haut
  • Ein- oder Durchschlafprobleme
  • schlechter, leichter Schlaf
  • Müdigkeit, Erschöpfung (ohne Kaffeekonsum)
  • Stimmungsschwankungen/ depressive Stimmung

Warum ist der Verzicht auf Kaffee für 6 Wochen so wichtig?

Da die VitaMoment 3-Phasen Darmkur auch über sechs Wochen geht, ist es für den bestmöglichen Erfolg der Kur wichtig, auch während genau dieser Zeit auf Kaffee (sowie auch andere in der Kur genannte Reizstoffe) zu verzichten. Denn nur so können alle drei Phasen der Kur richtig wirken, sich gesundheitliche Besserungen einstellen und auch wirklich wahrzunehmen sein. Gönne deinem Darm einmal diese kleine Auszeit frei von Reizstoffen wie Koffein, bestimmten Säuren oder Gerbstoffen. Anschließend darfst du ja sehr gerne deinen Kaffee genießen.

Warum kann ich nicht einfach koffeinfreien Kaffee trinken?

Da nicht ausschließlich das Koffein reizend auf den Darm wirkt, sondern in erster Linie die im Kaffee enthaltenen Säuren und Gerbstoffe, sollte während der Darmkur auch kein koffeinfreier Kaffee getrunken werden.

Welche Stoffe im Kaffee reizen überhaupt den Darm?

Kaffee enthält mehr als 80 verschiedene Säuren, wie z.B. Chlorogensäure (Fruchtsäure), Kaffeesäure, Linolsäure, Palmitinsäure, Essigsäure, Zitronensäure, Apfelsäure und Oxalsäure. Diese Säuren sind für den Geschmack des Kaffees verantwortlich.

Während des Röstvorgangs werden die Säuren zu einem Großteil abgebaut. Je langsamer und schonender die Kaffeebohnen geröstet werden, desto niedriger ist der Säuregehalt.

Aber gerade dieser Säuregehalt kann den Zustand einer bereits gereizten oder angegriffenen Magen- und Darmschleimhaut weiter verschlimmern und die Darmflora negativ beeinflussen. Bei einem gesunden Darm ist dies nicht der Fall. 

Die wohl wichtigsten Säuren sind die Chlorogensäure (Fruchtsäure) und die Kaffeesäure. Beide zählen zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe.

Welche Stoffe im Kaffee wirken positiv auf den Darm?

Die Chlorogensäure ist die charakteristische Säure des Kaffees. Ihr Anteil im Rohkaffee ist am größten. Chlorogensäure ist ein Antioxidans (schützt den Körper vor oxidativem Stress).

Weitere positive Effekte der Chlorogensäure sind:

  • verlangsamte Aufnahme von Glucose ins Blut nach einer Mahlzeit
  • Senkung des Blutdrucks (bei gesunden Menschen)

Polyphenole im Kaffee steigern den Anteil der Bifidobakterien, die sich positiv auf die Darmflora auswirken.

Welche Wirkung hat Kaffee noch auf den Darm?

Amerikanische Wissenschaftler fütterten für ihre Untersuchungen1 Ratten mit Kaffee und konnten anschließend nachweisen, dass dadurch der Darm in Bewegung gehalten wird, da der Kaffee die Darmbakterien positiv beeinflussen kann.

Zudem wird die Fähigkeit der Muskeln verbessert, sich zusammenzuziehen.
Besonders erstaunlich: Die positiven Folgen waren unabhängig vom Koffeingehalt.

Die verminderte Bildung von schlechten Bakterien im Darm sowie die erhöhte Muskelbeweglichkeit konnten ebenfalls nach der Gabe von entkoffeinierten Getränken festgestellt werden. 

Kann sich Kaffee auf bestimmte Nährstoffe auswirken?

Wie du weißt, werden die meisten Mikro- und Makronährstoffe während der Verdauung im Darm aufgenommen, verarbeitet und dann dem Körper zur Verfügung gestellt. Besonders wenn ein Ungleichgewicht im Darm besteht, kann Kaffee die Aufnahme bestimmter Mikronährstoffe beeinträchtigen und deren Bereitstellung vermindern.

Kaffee, genauer gesagt das Koffein, regt unter anderem die Funktion der Nieren (über die stärkere Durchblutung) an und bildet so mehr Harn. Es werden dadurch verstärkt Wasser und damit auch Vitamine und Mineralstoffe aus dem Körper ausgeschieden, ohne dass sie für die Aufnahme in den Darm gelangen. Ein hohe Koffeinzufuhr erhöht damit die Ausschwemmung von Vitamin C, Vitamin B6, Calcium und Magnesium mit dem Urin.

Außerdem beeinträchtigen die im Kaffee vorhandenen Gerbstoffe die Aufnahme von Eisen aus Nahrungsmitteln oder auch aus Nahrungsergänzungsmitteln und vermindern so auch die Verfügbarkeit dieses Mikronährstoffes für den Körper.

Wirkt sich Kaffee auf Leaky Gut aus?

Ja, denn gerade bei Leaky Gut können die Reizstoffe des Kaffees durch die ‘löchrige’ Darmwand in den Organismus gelangen und dort für Überreaktionen des Immunsystems sorgen. 

Bei sehr empfindlich reagierenden Menschen können schon zwei Tassen Kaffee pro Tag die Menge von Entzündungs-Botenstoffen im Blut erhöhen und dadurch sogar Herzkrankheiten begünstigen. Wird außerdem der Stoffwechsel durch zu hohe Mengen koffeinhaltigen Kaffees gestört, kann die Vitalstoffaufnahme (die bei Leaky Gut ohnehin schon vermindert ist) sowie die Aufrechterhaltung des Vitalstoffgehaltes im Körper nicht mehr optimal gewährleistet werden.

Kann Kaffee die Vielfältigkeit der guten Darmbakterien fördern?

Ja, Forscher der Universität Groningen in den Niederlanden2 fanden heraus, dass Kaffee durch seine sekundären Pflanzenstoffe tatsächlich die Vielfältigkeit der guten Darmbakterien in einem GESUNDEN Darm fördern kann. Kaffee zeigte hier eine ähnlich positive Wirkung wie probiotikahaltige Lebensmittel (z.B. Joghurt oder fermentierter Kohl). Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Faktor, dass sich der Darm in einem grundsätzlich gesunden Zustand befinden muss, um von der Wirkung von Kaffee profitieren zu können. 

In dem Fall wird durch einen angemessenen Genuss von Kaffee sogar die Vermehrung krankmachender Keime vermindert.

Warum entstehen beim Kaffeeentzug Symptome wie Kopfschmerzen, schnelle Reizbarkeit oder Abgeschlagenheit?

Wenn du Kaffee trinkst, werden bestimmte Botenstoffe im Körper ausgeschüttet: das Adrenalin, das Noradrenalin und das Dopamin. Parallel blockiert das im Kaffee enthaltene Koffein die Rezeptoren vom Botenstoff Adenosin (welcher normalerweise Müdigkeit signalisiert). Mit den sogenannten Stress- und Glückshormonen Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin fühlst du dich belebt, kannst dich besser konzentrieren, sie sorgen für einen erhöhten Herzschlag und für einen Anstieg des Blutdrucks. Kommt das Adenosin wieder zum Zuge und fängt an zu wirken, hast du mit Müdigkeit zu kämpfen – ein Kreislauf entsteht.

Nach dem Aufstehen gibt es erstmal einen Kaffee zum wach werden, dann einen zu Arbeitsbeginn mit den Kollegen und gegen Mittag dann den nächsten…. und so weiter. Lässt die Wirkung des vorherigen Kaffees nach, schreit unser Körper förmlich nach Nachschub. Die Aufnahme von Adenosin wird abermals reduziert und wir fühlen uns wieder wach, frisch und aufmerksam. Da kann an einem Tag schnell eine ganze Menge des koffeinhaltigen Lieblingsgetränkes zusammen kommen.

Entziehst du deinem Körper von heute auf morgen diesen ständigen ‘Koffeinkick’ und nimmst somit auch noch jegliche Adenosin Blockaden, reagiert dieser mit Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder auch schnellerer Reizbarkeit, da er nun für die Ausschüttung der verschiedenen Botenstoffe wieder selbst sorgen muss. Dies ist für den Körper Anfangs natürlich sozusagen ‘anstrengender’ und er muss für diesen Prozess erst einmal wieder sensibilisiert werden.

Wenn diese ‘Entzugsphase’ allerdings vorüber ist, wirst du dich automatisch wieder frischer, wacher und vor allem entspannter fühlen und auch viel sensibler auf nur eine Tasse Kaffee reagieren.

Zerstöre ich den Erfolg der Darmkur, wenn ich doch Kaffee trinke?

Solltest du während der Darmkur doch auf die eine oder andere Tasse Kaffee nicht verzichten können (oder verzichten wollen?), wird dir dies nicht den gesamten Erfolg der Darmkur zunichtemachen. Allerdings ist es für ein bestmögliches Ergebnis der Darmkur unbedingt zu empfehlen, diese sechs Wochen einmal auf Kaffee zu verzichten. 

Dein Darm kann sich so viel besser regenerieren und eine ausgeglichene Darmflora bilden, wenn er keinerlei Reizstoffen, Gerbstoffen, Säuren oder auch Koffein ausgesetzt ist.

Wie viel Kaffee pro Tag ist empfehlenswert?

Nach neuesten Studien3 werden ca. 1-3 Tassen Kaffee oder Espresso pro Tag empfohlen, um von den positiven Wirkungen auf den Körper, der im Kaffee vorhandenen Stoffe, profitieren zu können.

Fazit

Kaffee kann gute und weniger gute Effekte auf den Darm haben. So zeigen einige Studien eine sogar förderliche Wirkungen von Kaffee auf den Darm und dessen Bakterien auf.

Tipp nach der Darmkur: Wer unter einem hohen Cholesterinspiegel leidet, sollte Kaffee lieber aus der Filtermaschine genießen, da das sogenannte Kahweol und Cafestol im Filter hängen bleiben. Diese beiden natürlichen Inhaltsstoffe können den Cholesterinwert nämlich nach oben treiben.

Andere Studien wiederum zeigen, dass Kaffee unter gewissen Umständen auch weniger förderlich auf die Darmgesundheit wirken kann, besonders wenn der Darm schon vorbelastet ist. 

Da bei den meisten von uns eine solche Vorbelastung durch industriell verarbeitetes Essen und viel Stress mehr oder weniger der Fall sein wird und wir gerade deshalb die Darmkur machen, empfehlen wir auch während der gesamten Zeit der Darmkur einmal auf Kaffee zu verzichten.

So kann der Darm sich einmal rundum erholen und so nach der Darmkur auch von den positiven Wirkungen des Kaffees profitieren kann. Grundsätzlich spricht jedoch nichts gegen einen bewussten und maßvollen Genuss von Kaffee.

1
Researchers document impact of coffee on bowels
2
Wine And Coffee May Be Good For Your Gut Bacteria, Helping To Diversify Your Microbiome
3
DocMedicus: Kaffee
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