Blasenentzündung: Hausmittel, Beschwerden und wann Antibiotika nötig sein können
Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.
Eine Blasenentzündung ist übrigens keine Frage des Alters. Junge Mädchen sind ebenso betroffen wie reifere Frauen. Doch egal in welchem Alter eine Blasenentzündung auftritt, die Symptome schränken den Alltag oft ähnlich ein.
Viele Ärztinnen und Ärzte verschreiben bei Blasenentzündungen Antibiotika, die die Bakterien abtöten. Sie sind bei bestimmten Verläufen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Doch soweit muss es gar nicht immer kommen. Es gibt verschiedene Hausmittel bei Blasenentzündung. Wir zeigen dir, welche Maßnahmen im Alltag unterstützen können und wann eine erneute ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
1. Was ist eine Blasenentzündung?
Schon die Bezeichnung Blasenentzündung verrät, um welche Erkrankung es sich handelt: eine Entzündung der Harnblase. Doch nicht nur deine Blase kann sich entzünden, sondern auch deine Harnwege und Nieren. Daher sprechen Ärztinnen und Ärzte auch von Harnwegsinfekten und nicht nur von einer Blasenentzündung.
Blasenentzündungen: Obere versus untere Harnwegsinfekte
Am häufigsten sind die unteren Harnwege entzündet. Dazu zählen die Harnröhre und die Harnblase. Manchmal wandert die Infektion weiter in die oberen Harnwege, also die Harnleiter und die Nieren.
Typische Symptome einer Blasenentzündung
Es gibt ganz bestimmte Beschwerden, die bei Blasenentzündungen auftreten.
- **Untere Harnwegsinfektion: Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, starker und sofortiger Harndrang, Schmerzen im Unterleib.
- Obere Harnwegsinfektion: Gleiche Symptome wie bei einer unteren Harnwegsinfektion. Zusätzlich Flankenschmerzen und/oder Schmerzen beim Klopfen auf die Nieren. Manchmal bekommst du Fieber (über 39 Grad Celsius). Auch Blut kann im Urin sein.
Es kann zudem sein, dass dein Urin leicht nach Ammoniak riecht. Das ist typisch für eine Infektion mit Escherichia coli Bakterien.
Wie entsteht ein Harnwegsinfekt?
Häufigster Übeltäter für Harnwegsinfektionen sind Bakterien. Sie stammen in der Regel aus der eigenen Darm- oder Scheidenflora. Das Darmbakterium Escherichia coli verursacht besonders oft Infektionen. Du fragst dich, wie dieses in deine Harnröhre gelangt? Das liegt an der Anatomie der Frau. Der After und die Scheide liegen sehr nah beieinander.
Ob die Bakterien eine Infektion auslösen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die örtlichen Schutzmechanismen der Schleimhäute und begünstigende Umstände wie mechanische Reizung oder eine leichte Keimverschleppung. So können die Bakterien die Schleimhäute der Harnröhre und Blase besiedeln.
Was passiert dann? Die Schleimhaut der Blase entzündet sich und schwillt an. Bei einer starken Entzündung kann es auch zu Blutungen kommen. Daher das Blut im Urin.
Auch Pilze können Harnwegsinfektionen auslösen. Sie sind aber selten der Grund für eine Blasenentzündung.
2. Sechs Hausmittel bei Blasenentzündung
Mit den folgenden Hausmitteln kannst du den Alltag bei einer Blasenentzündung unterstützen.
Hausmittel 1 gegen Blasenentzündung: Viel trinken
Trinke ausreichend Wasser und/oder (am besten ungesüßten) Tee. Das bedeutet: mindestens zwei Liter pro Tag. So wird die Blase regelmäßig durchspült. Das ist ein typisches und gleichzeitig simples Hausmittel bei einer Blasenentzündung.
Hausmittel 2 gegen Blasenentzündung: Kein Restharn
Bleibe so lange auf der Toilette sitzen, bis du den gesamten Urin ausgeschieden hast. Im Restharn vermehren sich Bakterien munter.
Hausmittel 3 gegen Blasenentzündung: Tee trinken
Greife zu Blasen- und Nierentees aus der Apotheke. Viele Menschen trinken in diesem Zusammenhang auch Brennnesseltee. Er wird traditionell in diesem Alltagskontext verwendet.
Hausmittel 4 gegen Blasenentzündung: Pflanzenkraft
Es gibt Präparate mit hochdosierten Kapuzinerkresse- und Meerrettichwurzelextrakten. Die darin enthaltenen Senföle werden im Zusammenhang mit Harnwegsinfekten nachweislich untersucht. Das Mittel gibt es in der Apotheke.
Hausmittel 5 gegen Blasenentzündung: Angepasste Ernährung
Während einer Blasenentzündung kann es sinnvoll sein, auf eine ausgewogene und gut verträgliche Ernährung zu achten. Besonders wichtig ist dabei, ausreichend zu trinken und den Körper insgesamt nicht zusätzlich zu belasten. Mehr dazu weiter unten.
Hausmittel 6 gegen Blasenentzündung: Ruhe
Damit sich dein Körper auf die Bekämpfung der Bakterien konzentrieren kann, gönne ihm viel Ruhe. Bleibe, wenn möglich, zu Hause und meide körperlich anstrengende Tätigkeiten.
Tipps zum Umgang mit Beschwerden bei Blasenentzündungen
Viele Frauen leiden bei einer Blasenentzündung unter Unterleibsschmerzen. Ein typisches Hausmittel ist Wärme. Lege eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen auf deinen Unterbauch. Wenn die Beschwerden eher im Bereich des Schambeins sind, setze dich auf das warme Körnerkissen.
Bei stärkeren Beschwerden kann eine ärztliche Rücksprache sinnvoll sein. Das gilt besonders dann, wenn die Schmerzen zunehmen oder weitere Symptome dazukommen.
3. Fünf Dinge, die du bei Harnwegsinfekten lassen solltest
Es gibt einige Faktoren, die sich negativ auf Harnwegsinfekte auswirken. Dazu zählen:
- Zu wenig trinken. Je weniger du trinkst, desto leichter können sich Escherichia coli in den Harnwegen ansammeln.
- Den Harndrang unterdrücken. In deiner gefüllten Blase vermehren sich Krankheitserreger leichter.
- Pauschal Antibiotika nehmen. Warum? Darauf gehen wir weiter unten ein.
- Viel Fast Food essen. Eine ausgewogene Ernährung ist im Alltag oft die bessere Grundlage als sehr einseitige Kost.
- Körperliche Anstrengung. Intensiver Sport belastet deinen Körper zusätzlich. Dadurch kann es länger dauern, bis die Blasenentzündung abheilt. Zudem kann sie sich verschlimmern.
4. Blasenentzündungen vorbeugen: Fünf Tipps
Einige Frauen bekommen immer wieder eine Blasenentzündung. Sie suchen nach Möglichkeiten, um mit dieser Situation im Alltag besser umzugehen. Kommt dir das bekannt vor? Dann sind die folgenden Tipps für dich von besonderer Bedeutung.
Blasenentzündungen vorbeugen: Tipp 1: Ausgewogen essen
Eine gesunde, antientzündliche Ernährung kann Teil eines allgemein bewussten Alltags sein.
Die Basis bildet viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte . Ergänze die Lebensmittel um wertvolle pflanzliche Öle, beispielsweise Walnuss- und Leinöl sowie ein- bis zweimal pro Woche fettreichen Seefisch wie Lachs, Makrele und Hering. Diese Lebensmittel enthalten viele Omega-3-Fettsäuren.
Mehr zum Thema antientzündliche Ernährung hörst du in unserem Podcast:
Blasenentzündungen vorbeugen Tipp 2: Auf Darm und Alltag achten
Auch allgemeine Alltagsfaktoren können eine Rolle spielen, wenn Beschwerden wiederkehren. Dazu gehören zum Beispiel Ernährung, Stress und das persönliche Wohlbefinden im Verdauungsalltag.
Blasenentzündungen vorbeugen Tipp 3: Ausgewogene Versorgung im Blick behalten
Eine ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage für die Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen. Dazu gehören auch Vitamin C, Vitamin D und Zink. Eine Studie befasst sich zudem mit dem Zusammenhang zwischen dem Zinkstatus und wiederkehrenden Harnwegsinfektionen.
Blasenentzündungen vorbeugen Tipp 4: D-Mannose
D-Mannose ist ein natürlicher Zucker. In der S3-Leitlinie zu Harnwegsinfektionen wird D-Mannose im Zusammenhang mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten erwähnt. Den Zucker bekommst du in der Apotheke.
Blasenentzündungen vorbeugen Tipp 5: Cranberry-Präparate
Durchstöbert man das Internet nach Hausmitteln gegen Blasenentzündungen, tauchen immer wieder Cranberry-Präparate wie Cranberry-Saft auf. Ob entsprechende pflanzliche Mittel zur Akutbehandlung geeignet sind, lässt sich laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nicht sagen. Dafür fehlen Daten.
Anders sieht es beim präventiven Einsatz aus. Laut IQWiG können Cranberry-Präparate bei Frauen mit unkomplizierter, wiederkehrender Blasenentzündung sinnvoll sein.
Ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten 15 randomisiert kontrollierte Studien. Heraus kam, dass bei Frauen, die Cranberry-Präparate einnahmen, der Harnwegsinfekt nicht oder erst später wiederkehrte.
5. Wie gut helfen Antibiotika bei einer Blasenentzündung?
Die meisten Harnwegsinfekte werden durch Bakterien verursacht. Daher verschreiben viele Ärztinnen und Ärzte bei einer Blasenentzündung Antibiotika. Die Medikamente wirken gegen den Infekt. Doch ist die Einnahme wirklich immer nötig?
Studie zeigt: Bei Harnwegsinfekten nicht immer Antibiotika notwendig
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen führten eine Studie zum Thema Blasenentzündung und Antibiotika durch. Sie verglichen zwei Behandlungskonzepte miteinander: Entzündungshemmer (Ibuprofen) und Antibiotika. Heraus kam, dass eine Behandlung mit Antibiotika bei leichten bis mittelschweren Symptomen nicht in allen Fällen notwendig ist.
Frauen, die mit Entzündungshemmern behandelt wurden, hatten zwar etwas stärkere Symptome. Doch bei zwei Drittel dieser Frauen heilte die Zystitis auch ohne Antibiotika wieder ab.
Das spricht gegen Antibiotika bei Blasenentzündungen
Bei einer Blasenentzündung schnell symptomfrei sein, das klingt erst einmal verlockend. Doch Vorsicht: Eine Behandlung mit Antibiotika tötet nicht nur die „bösen“ Bakterien direkt in den Harnwegen ab. Da du das Medikament oral einnimmst, wirkt es unter anderem auch im Darm.
Gute Bakterien sterben ab, was sich auf die Darmflora auswirken kann. Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen können auftreten.
Eine Studie zeigt, dass es bis zu einem halben Jahr dauert, bis sich dein Mikrobiom nach der Behandlung mit Antibiotika wieder erholt hat.
Ein weiterer Punkt ist, dass sich einige der Bakterien im inaktiven Zustand in der Blasenschleimhaut verstecken können. Dadurch können sie für Antibiotika unerreichbar sein, sodass sie nicht anschlagen. Wenn du das Medikament zudem zu oft einnimmst, kann es zu einer Antibiotika-Resistenz kommen. Es wirkt dann nicht mehr so gut oder gar nicht mehr.
Wann du bei Harnwegsinfekten Antibiotika einnehmen solltest
Ein Antibiotikum sollte bei einer Blasenentzündung nicht in jedem Fall vorschnell eingesetzt werden. Notwendig ist die Einnahme beispielsweise dann, wenn sich die Infektion nicht von alleine nach wenigen Tagen bessert.
Mit dem Medikament soll verhindert werden, dass sich die Entzündung verschlimmert und sich die Infektion in den Harnwegen weiter nach oben ausbreitet. Gleiches gilt bei Fieber oder wenn du Blut im Urin hast. Das sind Anzeichen für eine stärkere Entzündung.
6. Vier Faktoren, die eine Blasenentzündung begünstigen
Von einer Zystitis sind viel mehr Frauen als Männer betroffen. Einen Grund dafür kennst du schon: die Nähe des Afters zur Scheide. Hinzu kommt, dass die Harnröhre bei Frauen viel kürzer ist als beim Mann. Bakterien gelangen leichter in die Blase, die Harnleiter und unter Umständen in die Nieren.
Neben der Anatomie der Frauen gibt es eine ganze Reihe weiterer Faktoren, die eine Blasenentzündung begünstigen. Dazu zählen:
- Zu starke Intimhygiene: Einige Frauen meinen es zu gut mit der Intimpflege. Sie zerstören dadurch die natürliche Schutzbarriere. Aggressive Seifen oder Duschgele tragen dazu zusätzlich bei. Reinige deinen Intimbereich daher lieber mit klarem Wasser oder einer milden Intimpflege. Achte zudem darauf, auf Toilette immer von vorne nach hinten abzuwischen, also von der Scheide in Richtung After.
- Viel Stress: Anhaltender Stress kann sich auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken. Stress kann niemand verhindern. Wohl aber kannst du lernen, besser damit umzugehen. Entspannungsübungen und generell bewusste Ruhephasen im Alltag helfen dir dabei.
- Zeitnaher Geschlechtsverkehr: Beim Sex gibt es viel Körperkontakt und Reibungen. Darmbakterien können leicht in Richtung Harnwege gelangen. Damit sich diese dort erst gar nicht ansiedeln, gehe direkt nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette. Falls Bakterien in die Scheide gelangt sind, spülst du sie so direkt heraus.
- Schwangerschaft und Hormone: Während der Pubertät, der Schwangerschaft und der Wechseljahre verändern sich die Hormone stark. Das kann sich auf die natürliche Schutzfunktion der Scheidenschleimhaut auswirken. Häufig pendeln sich die Hormone von ganz alleine wieder ein. Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.
7. Fazit zum Thema Blasenentzündung und Hausmittel
Wir haben unseren Beitrag mit der Frage gestartet, ob Antibiotika bei einer Blasenentzündung immer notwendig sind. Jetzt weißt du, dass das nicht in jedem Fall so ist. Bei leichten und mittelschweren Harnwegsinfekten kann eine ärztliche Einschätzung helfen, das weitere Vorgehen passend einzuordnen.
Es gibt verschiedene Hausmittel, die Beschwerden bei einer Blasenentzündung lindern können. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist, dass du viel trinkst. Harntreibende Tees aus Brennnesseln werden in diesem Zusammenhang häufig verwendet. Ein weiteres Hausmittel ist Wärme. Sie kann bei Unterleibsbeschwerden als angenehm empfunden werden.
Wenn Beschwerden stärker werden, Fieber hinzukommt oder Blut im Urin auftritt, sollte die Situation ärztlich abgeklärt werden.
Du siehst: Es gibt viele Hausmittel gegen Blasenentzündung, die du im Alltag unterstützend anwenden kannst.