Darmgesundheit

Was ist ein Reizdarm, wie entsteht er und wie kannst du ihn behandeln?

Geschrieben von VitaMoment Team
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Ein Reizdarm ist eine Erkrankung, an der wesentlich mehr Menschen leiden, als medizinisch dokumentiert ist. Das liegt vor allem daran, dass die Entstehung über einen unterschiedlich langen Zeitraum erstreckt und auch die Symptome variieren können. Deshalb ist es dir vielleicht nicht bewusst, dass du unter einem Reizdarmsyndrom leidest. Hier erfährst du, was du zu dem Thema Reizdarmsyndrom wissen solltest.

Inhaltsverzeichnis

Wie entsteht ein Reizdarm?

Bis heute ist medizinisch noch nicht genau erforscht, wie es dazu kommt, dass du ein Reizdarmsyndrom entwickelst. Das liegt vor allem daran, dass sich die Symptome dieser Darmerkrankung bei jedem Menschen unterschiedlich entwickeln und dadurch auch in unterschiedlichen Stadien auftreten. 

Darüber hinaus sind Verdauungsbeschwerden ein Thema, dass du vielleicht nur ungern thematisierst. Zudem neigen viele Menschen dazu, Verdauungsbeschwerden zu ignorieren oder auf eine falsche Ernährung und andere Ursachen zurückzuführen. Darin liegt aber auch das Problem der entzündlichen Darmerkrankung. Wenn der Darm über längere Zeitabschnitte mit einer Reizung konfrontiert ist, dann kann das dazu führen, dass sich ein Reizdarmsyndrom entwickelt. In schwerwiegenden Fällen kann das zu lange Ignorieren eines solchen Problems auch dazu führen, dass die Erkrankung zu einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wird.

Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass es sich bei der Entstehung eines Reizdarms um die Folge einer Darminfektion oder langanhaltenden beziehungsweise intensiven Stresszuständen handeln könnte. Es scheint so, dass die Schleimhautbarriere des Dickdarms geschädigt ist, wodurch Entzündungsprozesse durch die gestörte Darmflora leichter entstehen können. Zudem weiß man heute, dass du, wenn du unter einem Reizdarm leidest, empfindlicher auf die Dehnung deines Darms reagierst. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es an der mangelnden Ausschüttung von Serotonin liegt. Wenn dieser Botenstoff in deinem Gehirn vermindert produziert und ausgeschüttet wird, verlangsamen sich nicht nur deine Darmbewegungen, sondern deine Schmerzwahrnehmung steigt. 

Generell hast du als Frau ein höheres Risiko einen Reizdarm zu entwickeln, weil dein Magendarmtrakt durch deine Periode deutlich stärker beansprucht wird, als es bei Männern der Fall ist. Hinzu kommt, dass auch das Immunsystem, durch den Stresszustand der Periode, regelmäßig in Anspruch genommen wird.

Welche Ursachen kann ein Reizdarm haben?

Genau wie bei der Entstehung so ist es auch bei den Ursachen noch nicht wissenschaftlich festgelegt, was ursächlich für deine Reizdarmsyndrom sein kann. Allerdings gibt es einige Aspekte, die in den direkten Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom gebracht werden können. Dazu gehören:

  1. Stress: Stress zu vermeiden ist im Alltag kaum möglich. Allerdings ist der Stress, egal ob er eine psychische Belastung oder physischer Natur ist, ein Problem für deinen Körper. Bei vielen Menschen reagiert der Magen-Darm-Trakt auf anhaltenden oder extremen Stress mit unangenehmen Verdauungsstörungen. 
  2. Rohkost: Obwohl Rohkost deinem Körper viele wertvolle Nährstoffe bietet ist die Kost schwer verdaulich. Der Darm muss schwerer Arbeiten, um die Rohkost zu verdauen. Wenn die Rohkost einen Großteil deiner Ernährung ausmacht, kann das zu einem Reizdarm führen oder vorhandene Probleme verschlimmern.
  3. Fett und Zucker: Gerade in industriell verarbeiteter Nahrung findest du eine große Menge an Fett und Zucker. Die Mengen, die du im Laufe eines Tages zu dir nimmst, können sehr belastend für dein Verdauungssystem sein. Aber auch natürliche Lebensmittel mit einem hohen Zucker- oder Fettgehalt können zu einer Magen-Darm-Infektion führen.
  4. Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Viele Allergien im Bereich von Lebensmitteln äußern sich durch Verdauungsbeschwerden. Wenn diese Unverträglichkeiten dir nicht bekannt sind und du sie deshalb weiter zu dir nimmst, kann das deinen Darm dauerhaft reizen. Besonders häufige Nahrungsunverträglichkeiten im Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom sind Lactoseintoleranz, Getreide, Zitrusfrüchte, Fruktoseintoleranz oder Koffein.
  5. Zölliakie oder Gluten-Unverträglichkeit: Die Zölliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die dazu führt, dass sich die Darmschleimhaut entzündet, abbaut oder, in seltenen Fällen, verdickt. Das führt nicht nur dazu, dass du mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen hast, sondern auch dazu, dass der Darm wertvolle Inhaltstoffe aus der Nahrung nicht aufnehmen kann. Auch wenn eine Gluten-Unverträglichkeit nicht so schwerwiegend ist, wie die Zölliakie, so kannst du dennoch ähnliche Probleme bekommen.
  6. Medikamenteneinnahme: Insbesondere Antibiotika sorgen dafür, dass Bakterien in deinem Körper zerstört werden. Dabei wird aber auch deine Darmflora negativ beeinflusst und Darmentzündungen können schneller entstehen. Gerade, wenn du regelmäßig Medikamente einnehmen musst, kann das zu einem Abbau der Darmschleimhaut führen. Als Frau solltest du auch beachten, dass auch die Pille ein Medikament ist, dass für solche Prozesse in deinem Darm verantwortlich sein kann.
  7. Kohlensäure: Kohlensäure reizt den Magen und regt die Produktion von Magensäure an, die sich mit der Nahrung in den Darm bewegt. Gerade wenn du gerne oder ausschließlich Getränke mit einem hohen Kohlensäureanteil zu dir nimmst, kann das deine Reizdarm-Symptome negativ beeinflussen.
  8. Stark blähende Lebensmittel: Besonders Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, wie beispielsweise Rosenkohl, sorgen dafür, dass der Magen-Darm-Trakt stark belastet wird. Auch Zwiebel- und Nachtschattengewächse haben diese Auswirkung auf Darm. Insbesondere, wenn du diese roh verzehrst. Da diese Lebensmittel schon einen gesunden Darm stark beanspruchen, kann es bei einem Reizdarm zu schmerzhaften Symptomen führen.

Welche Symptome sind typisch für ein Reizdarmsyndrom?

Eine Schwierigkeit bei der Diagnose Reizdarm ist, dass die Symptome nicht nur unterschiedlich schwer auftreten, sondern es auch keinen klassischen Verlauf gibt. Zudem leiden die meisten Menschen immer wieder unter Verdauungsbeschwerden, weshalb ein Reizdarmsyndrom häufig erst spät erkannt wird. Gerade als Frau, die durch ihre Periode häufiger mit Beschwerden des Magen-Darm-Traktes zu tun haben, kann es lange Dauern, bis die Diagnose für einen Reizdarm gemacht wird. Dennoch gibt es einige klassische Symptome:

  • Blähungen: Die Blähungen sind nicht nur unangenehm, sondern es kann auch sein, dass du diese Blähungen als schmerzhaft empfindest. Zudem wirst du häufiger an Blähungen leiden und diese auch als sehr stark empfinden.
  • Unterbauchkrämpfe: Krämpfe im unteren Bereich des Bauches können sich als unangenehmes Ziehen oder Druckgefühl äußern. Es kann aber auch dazu führen, dass du dadurch starke Schmerzen verspürst und diese Bauchschmerzen schwer aushalten kannst.
  • Druckempfindlichkeit: Gerade wenn du länger unter einem Reizdarm leidest kann sich eine akute Phase dadurch äußern, dass du selbst leichten Druck auf den Bauch als ungewöhnlich schmerzhaft oder unangenehm empfindest. Manche Patienten empfinden selbst das Tragen einer Jeans dann als problematisch.
  • Durchfall: Häufig äußert sich ein Reizdarm auch in Durchfall. Dabei kann es sein, dass du direkt nach dem Essen die Toilette aufsuchen musst oder schon eine Stresssituation dieses Symptom bei dir auslöst.
  • Verstopfung: Neben dem Durchfall gibt es auch Betroffene die häufig unter Verstopfung leiden, weil der Darm so träge ist, dass die Abfallprodukte nicht ausreichend transportiert werden können.
  • Unregelmäßiger Stuhlgang: Ein klassisches Symptom von einem Reizdarmsyndrom ist ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung. Betroffene haben nur selten Phasen, in denen Sie einen normalen Stuhlgang haben.
  • Blähbauch und Völlegefühl: Durch die unregelmäßige Darmtätigkeit kann es zu einem unangenehmen Völlegefühl kommen. Zudem kannst du auch einen Blähbauch bekommen, der unterschiedlich stark ausgeprägt ist.
  • Übelkeit und Erbrechen: Gerade, wenn besonders viele negative Faktoren deinen Reizdarm treffen kann es dazu führen, dass Übelkeit bis hin zum Erbrechen eintritt. Aber auch ein umfangreiches Essen kann diese Situation hervorrufen. Das liegt daran, dass der Darm die Menge der Nahrung nicht entsprechend verarbeiten kann und der Körper die „überschüssige“ Nahrung aus dem System entfernen möchte.

Wie kann ein Reizdarm behandelt werden?

Der Erfolg einer Reizdarm-Therapie hängt immer davon ab, wodurch die Problematik verursacht wird. Bei manchen Reizdarm-Patienten schafft bereits eine Low-FODMAP-Diät mit wenig stark blähenden Lebensmitteln eine Verbesserung des Krankheitsbildes. Generell ist es aber immer eine gute Möglichkeit, die grundlegende Gesundheit deines Darmes zu verbessern. Denn gewissen Problemen, wie beispielsweise Stress oder die Einnahme von notwendigen Medikamenten, kannst du nicht dauerhaft aus dem Weg gehen. 

Deshalb kann es, neben der Vermeidung von Auslösern, für deine Reizdarm-Behandlung sinnvoll sein, deinen Darm zu sanieren. Das muss zwar nicht bedeuten, dass du keine Probleme mit deiner Verdauung mehr hast, aber es kann dabei helfen, dass deine Symptome gelindert werden. Eine Möglichkeit ist die 3-Phasen-Darmkur, die wie folgt abläuft:

  1. Die erste Phase: In den ersten 14 Tagen der Kur schonst du deinen Darm und eliminierst die Problemquellen aus deinem Alltag. Dadurch kommt dein Darm zu Ruhe und hat die Möglichkeit, sich wieder an einen natürlichen Verdauungsablauf zu gewöhnen. So wird auch die Angriffsfläche für schädliche Bakterien und Schadstoffe in deinem Verdauungssystem verringert.
  2. Die zweite Phase: Die nächsten 14 Tage werden dafür genutzt, um deinen Magen-Darm-Trakt die Zeit zu geben, um sich zu erholen. Dabei wird die Zeit genutzt, damit sich die natürlichen Darmbakterien wieder ansiedeln können. 
  3. Die dritte Phase: Die abschließenden 14 Tage solltest du dafür nutzen, um positive Routinen in Deinen Alltag zu integrieren, die deinen Darm entlasten können. Zudem kann die neu gewonnene Ruhe dazu beitragen, dass deine Symptome gelindert werden.

Generell ist bei der Behandlung wichtig, dass du nicht nur die Auslöser kurzfristig vermeidest, sondern positive Verhaltensmuster in deinen Alltag integrierst. Dazu gehört nicht nur, dass du problematische Lebensmittel ersetzt, sondern auch, dass du Wege kennenlernst, um dich vom Stress deines Alltags zu erholen. Gerade am Anfang kann eine strikte Schonkost dafür sorgen, dass dein Darm zu Ruhe kommt und dadurch die natürlichen Regulierungssysteme deines Körpers unterstützend eingreifen können.

Wie kann ich meine Ernährung nutzen, um meinen Reizdarm positive zu beeinflussen?

Eine einfache Möglichkeit ist es, wenn du auf verarbeitete Lebensmittel verzichtest. Dadurch, dass in diesen Produkten viele Nährstoffe enthalten sind, die deinen Darm belasten, kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Auch wenn du unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leidest, solltest du konsequent auf diese Produkte verzichten. So verhinderst du, dass dein Darm unnötiger Belastung ausgesetzt wird.

Aber nicht nur eine gesunde Ernährung ist wichtig, sondern auch, wie du dein Essen gestaltest. Im Stress des Alltags ist es häufig schwierig, dass du dir die Zeitfenster schaffst, um ausgewogen und entspannt zu essen. Das ist aber sehr wichtig, damit deine Verdauung optimal arbeiten kann. Idealerweise solltest du feste Essenszeiten einhalten, damit eine Regelmäßigkeit in deine Ernährung und in deine Verdauung einzieht.

Solltest du diesen Zeitplan nicht einhalten können, dann ist es hilfreich, wenn du gesunde Snacks bereithältst, anstatt zu fertigen Produkten zugreifen. Studentenfutter oder vergleichbare Snacks sind nicht nur hochwertige Nährstofflieferanten und sättigen, sondern sie belasten deine Verdauung nur wenig. So kannst du auch „Durststrecken“ überbrücken, ohne, dass du deinen Darm unnötig reizt. 

Was kannst du davon für deinen Alltag mitnehmen?

Zunächst solltest du dir immer vor Augen führen, dass Magen-Darm-Erkrankungen eine Volkskrankheit sind und du dich deshalb für deine Reizdarm-Symptome auch nicht schämen musst. Zudem ist ein Reizdarmsyndrom sicherlich eine unangenehme und ernstzunehmende Erkrankung, aber du musst keine Angst vor Folgeerkrankungen oder weiteren Organschäden haben.

Zudem kannst du selbst sehr viel dazu beitragen, dass sich deine Symptome verbessern. Dabei sind viele Veränderung dauerhaft notwendig, damit du deine Darmgesundheit auf Dauer verbesserst. Das ist sicherlich zunächst anstrengend, aber du wirst auch in anderen Bereichen davon profitieren, wenn du dich lernst besser zu ernähren und zu entspannen.

Indem du mit einer Auslassdiät oder einer 3-Phasen-Kur kannst du dazu beitragen, dass sich deine Symptome lindern und sich deine gesundheitliche Situation verbessert.

Ein Reizdarm bedeutet nicht, dass du dauerhaft mit unangenehmen Verdauungsproblemen zu kämpfen haben musst, weil du selbst viel dazu beitragen kannst, dass es dir besser gehen kann.

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