11 Min

Vitamin-B12-Mangel: Symptome, Ursachen, Diagnostik und Behandlung

Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung.

Vitamin B12 Mangel ist längst keine Seltenheit mehr, und das nicht nur bei Vegetariern und Veganern. Tatsächlich erreichen 8 % der Männer und 26 % der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin B12 nicht.

Vitamin-B12-Mangel: Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Vitamin-B12-Mangel entwickelt sich häufig schleichend und kann mit unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder blassem Teint einhergehen.
  • Zu den häufigen Ursachen zählen eine geringe Aufnahme über die Ernährung sowie Störungen bei der Aufnahme im Magen-Darm-Trakt.
  • Für die Abklärung kommen verschiedene Laborwerte infrage, zum Beispiel Gesamt-Vitamin B12, Holo-TC und MMA.
  • Besonders aufmerksam auf ihre Versorgung achten sollten unter anderem Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung sowie ältere Menschen.
  • Eine ausgewogene Ernährung und eine medizinische Einordnung möglicher Beschwerden helfen dir dabei, deine Versorgung besser einschätzen zu können.

Fehlt es an B12 oder einem anderen B-Vitamin, kann sich das auf verschiedene körperliche und mentale Funktionen auswirken.

Wie du mögliche Symptome einordnen kannst, welche Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel infrage kommen und wie sich ein Verdacht medizinisch abklären lässt, haben wir im Folgenden für dich zusammengefasst.

1. Welche Schritte sind bei Verdacht sinnvoll?

Bei einem Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Vitamin B12 (Cobalamin) existiert im Körper in verschiedenen Verbindungen. Jede davon übernimmt unterschiedliche Aufgaben im Organismus. Dazu gehören unter anderem Formen, die im Stoffwechsel aktiv beteiligt sind.

Für die weitere Einordnung sind vor allem die Ursache des Mangels, die Ernährung und mögliche Aufnahmeprobleme entscheidend.

Auch die Frage, ob zu wenig Vitamin B12 aufgenommen wird oder ob der Körper das Vitamin nicht ausreichend verwerten kann, spielt für die Abklärung eine wichtige Rolle.

2. Wozu braucht der Körper Vitamin B12?

Das wasserlösliche Vitamin B12 ist auch als Cobalamin bekannt und gehört zur Gruppe der B-Vitamine.

Vitamin B12 ist für den Körper wichtig und an verschiedenen Prozessen beteiligt. Dazu gehören zum Beispiel Stoffwechselvorgänge. Auch bei der Blutbildung sowie beim Abbau von Fettsäuren spielt B12 eine Rolle.

Für folgende Prozesse wird Vitamin B12 benötigt:

  • Synthese von DNA
  • Zellteilung
  • Blutbildung
  • Abbau von Fettsäuren
  • Überführung von Folsäure in eine aktive Form
  • Aufbau von Neurotransmittern
  • Funktion des Nervensystems
  • Abbau von Homocystein

Die Vielzahl der Prozesse, an denen Vitamin B12 beteiligt ist, zeigt, wie wichtig das Vitamin für den menschlichen Körper ist und welchen Stellenwert es für verschiedene Körperfunktionen hat.

Wichtig zu wissen ist außerdem auch, dass dein Körper nicht nur Vitamin B12 braucht, sondern dass alle B-Vitamine wichtig für diese Prozesse sind.

3. Wie entsteht ein Vitamin-B12-Mangel?

Du weißt bereits, dass Vitamin B12 wichtig für den Körper ist. Wie kann es dann überhaupt erst zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen?

Dafür gibt es zwei Gründe. Grundsätzlich nimmst du Vitamin B12 über die Nahrung auf. Isst du keine Lebensmittel, in denen das Vitamin enthalten ist, kann es zu einem Mangel kommen.

Da Vitamin B12 vor allem in Fleisch, Fisch, Eiern und Milch steckt, sind oft Veganer/innen und Vegetarier/innen davon betroffen. Gerade Menschen, die komplett auf Fleisch und eventuell auch auf andere tierische Produkte verzichten, sollten ihre Vitamin-B12-Versorgung besonders aufmerksam im Blick behalten.

Auch Menschen, die sich zwar weder als vegan noch vegetarisch betiteln würden, aber grundsätzlich nicht viele tierische Produkte auf ihrem Speiseplan sehen, können eine geringere Zufuhr haben.

Wenn genügend B12 über die Ernährung aufgenommen wird, kann es trotzdem noch einen weiteren Grund für einen Mangel an Vitamin B12 geben. Es gibt nämlich verschiedene Ursachen, die dazu führen können, dass aufgenommenes B12 nicht vollständig absorbiert werden kann.

Eine Magenschleimhautentzündung kann ebenfalls mit einer eingeschränkten Aufnahme verbunden sein. Auch Veränderungen im Darm können die Versorgung beeinflussen.

Um mögliche Ursachen abzuklären, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, wenn ein B12-Mangel vermutet wird.

4. Wie zeigt sich ein Vitamin-B12-Mangel?

Ein Vitamin-B12-Mangel entwickelt sich schleichend, meist über Monate oder sogar Jahre. Eine Unterversorgung des Vitamins geht nicht mit eindeutigen Symptomen einher oder ist schlagartig sichtbar.

Es gibt jedoch verschiedene Symptome, die auf einen Vitamin-B12-Mangel hinweisen können. Dazu zählt unter anderem Müdigkeit sowie ein blasser Teint. Beide Symptome können damit zusammenhängen, dass für die Bildung roter Blutkörperchen verschiedene Nährstoffe in ausreichender Menge verfügbar sein müssen. Liegt ein Mangel an Vitamin B12 oder ein Eisenmangel vor, kann die Blutbildung beeinträchtigt sein.

Das kann dann zu einer Anämie führen, was der Fachbegriff für eine Blutarmut ist, die eben durch einen Mangel an roten Blutkörperchen entsteht. Diese Anämie kann mit Müdigkeit und einem blassen Teint einhergehen.

Ein weiteres Symptom können Verdauungsbeschwerden sein. Das hängt damit zusammen, dass ein Vitamin-B12-Mangel auch gemeinsam mit Veränderungen im Verdauungssystem auftreten kann. Dazu später mehr.

Auch eine depressive Stimmung wird im Zusammenhang mit einem Vitamin-B12-Mangel beschrieben. Unter anderem spielen dabei Folsäure und Homocystein im Stoffwechsel eine Rolle. Eine eindeutige Einordnung solcher Beschwerden sollte jedoch immer medizinisch erfolgen.

Eine auffällige Konzentrationsschwäche kann außerdem ebenfalls im Zusammenhang mit einem Vitamin-B12-Mangel stehen. Auch hier kommen verschiedene Ursachen infrage, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Haarausfall kann tatsächlich auch im Zusammenhang mit einer unzureichenden Versorgung begünstigt werden. Deine Haare brauchen nämlich auch ausreichend B-Vitamine.

Außerdem können eingerissene Mundwinkel ein Indiz für einen Vitamin-B12-Mangel sein.

5. Wie lässt sich ein Vitamin-B12-Mangel feststellen?

Testmöglichkeiten zur Ermittlung des Vitamin-B12-Status gibt es einige. Als Standardtest gilt die Bestimmung des Gesamt-Vitamin B12-Werts im Serum, also im Blut. Allerdings wird hier vorwiegend die inaktive Speicherform des B12 gemessen, es hat also nur bedingt Aussagekraft.

Experten raten immer häufiger für die Erstmessung zur Messung des sogenannten Holotranscobalamin-Wert (kurz Holo-TC). Die Messung des Holo-TC-Wertes ist zuverlässiger, da der Status des tatsächlich aktiven Vitamin B12, das im Blut an Proteine gebunden ist, wiedergegeben wird.

Als weitere Möglichkeit gibt es den MMA-Test, der entweder über Blut oder Urin durchgeführt wird. Bei einem Mangel von Vitamin B12 erhöht sich die Konzentration der Methylmalonsäure in Blut und Urin.

Referenzbereiche für Gesamt-Vitamin B12 im Serum, für Holo-Transcobalamin und MMA:

Gesamt-Vitamin B12 im Serum:

> 400 ng/l Vitamin-B12-Mangel unwahrscheinlich
200 - 400 ng/l Graubereich: Abklärung mittels Holo-TC zu empfehlen
< 200 ng/l Vitamin-B12-Mangel sehr wahrscheinlich

Holo-Transcobalamin:

> 50 pmol/l Vitamin B12-Mangel unwahrscheinlich
35 - 50 pmol/l Graubereich: Abklärung mit MMA
< 35 pmol/l Vitamin-B12-Mangel sehr wahrscheinlich

MMA:

< 271 nmol/l Vitamin-B12-Mangel unwahrscheinlich
> 271 nmol/l Vitamin-B12-Mangel sehr wahrscheinlich

6. Wie hoch sind die Referenzmengen für Vitamin B12?

Vitamin B12 gehört zu der Gruppe der wasserlöslichen Vitamine und wird bei einem „Zuviel“ wieder über den Urin ausgeschieden. Die empfohlene Referenzmenge in Deutschland liegt für Jugendliche und Erwachsene bei 4 µg Vitamin B12 pro Tag. Schwangere und Stillende benötigen mit 4,5 µg bis 5,5 µg pro Tag eine höhere Menge des Vitamins.

Diese Mengen dienen als allgemeine Orientierung. Der tatsächliche Bedarf kann je nach Lebenssituation unterschiedlich ausfallen und sollte im Zweifel individuell medizinisch eingeordnet werden.

7. Wer ist besonders häufig von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen?

Vitamin B12 ist weitestgehend nur in tierischen Produkten enthalten. So sind Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, besonders häufig von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen, da der Körper das Vitamin nicht eigenständig produzieren kann.

Dabei sind Frauen anfälliger für eine Vitamin-B12-Unterversorgung als Männer: Während 8 % der Männer die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin B12 nicht erreichen, sind es bei den Frauen sogar 26 %. Besonders in der jüngeren Altersgruppe von 14 bis 24 Jahren nehmen Frauen zu wenig Vitamin B12 auf.

Aber auch ältere Menschen müssen häufiger auf ihre Versorgung achten: Ab etwa 65 Jahren steigt das Risiko für eine Unterversorgung leicht an.

Es gibt zudem auch Risikogruppen mit einem erhöhten Bedarf. Dazu gehören Schwangere und Stillende.

8. Wie hängt die Darmgesundheit mit einem Vitamin-B12-Mangel zusammen?

Ein geschädigter Darm kann Vitamin B12 schlechter aufnehmen. Auch bei einer chronischen Gastritis oder nach Eingriffen am Darm kann die Aufnahme beeinträchtigt sein.

Um das zu verstehen, ist es sinnvoll, sich kurz damit zu beschäftigen, wie das Vitamin überhaupt in deinen Körper gelangt. Wenn du das Vitamin nämlich über die Nahrung zu dir genommen hast, dann muss Vitamin B12 durch die Schleimhautzellen des Darms ins Körperinnere transportiert werden.

Bei bestehenden Darmproblemen kann es passieren, dass dein Darm eben diesen Prozess nicht vollständig ausführen kann und das B12 dadurch nicht ausreichend aufgenommen wird. In solchen Fällen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

9. Welche Funktionen erfüllt ein ausreichender Vitamin-B12-Status?

Ein ausreichender Vitamin-B12-Status ist wichtig, weil Vitamin B12 an vielen grundlegenden Körperfunktionen beteiligt ist. Dazu zählen unter anderem die Blutbildung, die Zellteilung und verschiedene Stoffwechselprozesse.

Wenn ein Mangel ausgeglichen wird, können Beschwerden, die mit einer Unterversorgung zusammenhängen, rückläufig sein. Wie deutlich sich Veränderungen zeigen, hängt jedoch von der Ursache, der Ausprägung und der individuellen Situation ab.

Im Vordergrund steht deshalb vor allem, einen möglichen Mangel frühzeitig zu erkennen und medizinisch einzuordnen.

10. Welche Rolle spielen weitere B-Vitamine bei der Versorgung?

Die meisten B-Vitamine kommen nicht nur in tierischen, sondern auch teilweise in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Etwas aus der Reihe tanzt jedoch das Vitamin B12, denn dieses kommt quasi nicht in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Im Körper sind B-Vitamine unter anderem für das Nervensystem und die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen relevant. Zudem spielen B-Vitamine eine wichtige Rolle im Rahmen des Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsels. Eine kontinuierliche Aufnahme über die tägliche Ernährung ist entsprechend wichtig. Eine gute Grundlage für die Versorgung mit B-Vitaminen ist eine omnivore, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, welche aus frischen Lebensmitteln mit hohem Nährstoffgehalt besteht.

Achtung- Vitamin B12 als Sonderfall: Wenn du generell sehr gesund und vielfältig isst, aber gar kein (oder auch nur sehr wenig) Fleisch oder Fisch zu dir nimmst, kann es zwar sein, dass du mit einem Großteil der B-Vitamine gut versorgt bist, aber dennoch unter einem Vitamin B12 Mangel leidest. Der Grund dafür ist, dass dieses fast ausschließlich in größeren Mengen in Fisch und Fleisch enthalten ist, was die Versorgung für Veganer und Vegetarier erschwert. Ähnlich ist es bei Resorptionsstörungen des Darms. Vitamin B12 ist bei Menschen mit Darmproblemen nicht immer in ausreichender Menge im Körper vorzufinden.

Weitere B-Vitamine im Überblick: Eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen ist vor allem dann wichtig, wenn die Ernährung sehr einseitig ist oder besondere Lebensphasen vorliegen. Auch ein erhöhter Bedarf kann je nach individueller Situation eine Rolle spielen. Ein Mangel an B-Vitaminen wird nicht immer früh erkannt, mögliche Hinweise können zum Beispiel Müdigkeit, Leistungsabfall oder Appetitlosigkeit sein. Solche Beschwerden sind jedoch unspezifisch und sollten immer sorgfältig eingeordnet werden.

Fazit

Zahlreiche Prozesse im Körper funktionieren ohne Vitamin B12 nicht richtig. Diverse Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Haarausfall können Anzeichen für einen Mangel an Vitamin B12 sein.

Medizinisch gesehen kann es Jahre dauern, bis ein Vitamin-B12-Mangel festgestellt wird. Das liegt daran, dass Vitamin B12 als eine Art Depot in der Leber gespeichert wird. Wenn du dich aber in den oben genannten Symptomen wiedererkennen kannst, dann lohnt es sich, deinen Vitamin-B12-Spiegel überprüfen zu lassen.

Außerdem solltest du auf eine Vitamin-B12-reiche und darmfreundliche Ernährung achten. In Milch, Eiern, Fisch und Fleisch ist B12 enthalten und sollte so in die abwechslungsreiche Ernährung eingebunden werden. Eine antientzündliche Ernährung wird ebenfalls häufig im Zusammenhang mit einer bewussten Ernährungsweise besprochen.

100%